Darf man eine bereits vollzogene Entwertung des ländlichen Raums als Lebensraum beim Namen nennen und bildet sie die Ursache des gegenwärtigen Rechtsrucks?

Oder: Was darf man sagen? und was kann man sagen?

Unterzeichnen und verbreiten Sie bitte die Petition Retten Sie den Rotmilan und andere von der Ausrottung bedrohte Arten!

https://www.change.org/p/f%C3%BCr-landwirtschaft-und-umwelt-mecklenburg-vorpommern-retten-sie-den-rotmilan-und-andere-von-der-ausrottung-bedrohte-arten-0dab0be9-2465-4cbe-93f0-84b5430b0d8f

Mein Beitrag „Wer Windkraftanlagen sät, wird Sturmstaffeln ernten“ hat mir herbe Kritik aus den eigenen Reihen eingebracht. Die Naturschützerin und Dichterin Angelika Janz und der Vorsitzende der Partei Freier Horizont, Norbert Schumacher, haben ihn beide stark kritisiert. Das kam für mich umso überraschender, als der Beitrag fast nur aus Zitaten aus dem Tagesspiegel und dem Nordkurier bestand und die Grundthese meines Artikels, dass der Wahlerfolg von AfD und NPD in Wollin und andernorts auf den massiven Windkraftausbau zurückzuführen ist, bereits von Axel Krumey (Linke), dem Bürgermeister von Wollin, vorgetragen worden war: Der Tagesspiegel referiert seine Worte über die derzeit „gruselige“ Lage: „Was bringe es, wenn man als Gemeinde zwar Einspruch gegen eine Windkraftanlage vor der Haustür einlegen könne, dann aber von einer Stelle im Kreis oder in Potsdam überstimmt werden könne.“

Mir ist folgende These wichtig:

  • Die Unzufriedenheit der Menschen im ländlichen Raum, die sich in der Wahl von Protestparteien artikuliert, ist nicht auf das, was sich vor über dreißig Jahren in der DDR zugetragen hat, zurückzuführen, sondern auf die gegenwärtige Politik und zwar nicht auf die von einem Extrem ins andere schwankende konzeptlose Migrationspolitik, sondern auf die totale Industrialisierung des ländlichen Raumes, deren Kernstück der Windkraftausbau bildet, und die mit ihr einhergehende Entwertung des ländlichen Raumes als Lebensraum.

Der Naturschützer und Fotograf Robert Niebach, der vielleicht am stärksten berechtigt wäre, mich zu kritisieren, wenn die Kritik von Frau Janz zutrifft, da er in Wallmow in jener Gegend lebt, die durch den Windkraftausbau brutal entwertet worden ist, hat nur wortlos meine elenden Bilder kritisiert, indem er mir bessere zugeschickt hat, die ich mit seiner Zuschrift am Ende publiziere. Seine Bilder waren der Hauptanlass für diesen zweiten Beitrag zum Thema ‚Wollin und Umgebung‘. Vielleicht geben meine ungeschickten Knipsereien ein objektiveres Bild der Hässlichkeit. Aber der Kontrast zwischen der hohen Kunst Robert Niebachs, wie sie sich in der ästhetischen Qualität und insbesondere der Komposition seiner Bilder äußert, und dem vollkommen unästhetischen Gegenstand erschüttert.

Ich halte die drei nachstehenden Schreiben für sehr wichtig, weil es um die Interpretierbarkeit des Rechtsrucks sowie um die Frage geht, ob man die Entwertung des ländlichen Raumes und die Schädigung der Opfer klar benennen darf oder ob man sich aus zarter Rücksichtnahme auf die Opfer euphemistisch ausdrücken muss, wie es die AfD tut, wenn sie von dem „kleinen beschaulichen Dorf Wollin“ spricht. Die Bilder Robert Niebachs lösen die Probleme, ohne die Fragen zu beantworten. Niemand wird ihnen Ein-dimensionalität oder Arroganz vorwerfen.

Angelika Janz schrieb:

Hallo Herr Sternke,
oh, das geht so nicht, die Menschen in ihrem Zuhause verächtlich und bedauernswert machen und daraus politische Schlüsse ziehen. Das gehört allenfalls als möglicher offener wie komplexer Analyseaspekt in einen Soziologieessay.
Da scheint unverhältnismäßige Arroganz durch…
Nicht für ungut
A.Janz

Selbstverständlich wollte ich niemanden verächtlich machen. Bedauernswert sind die Menschen, die ihr Zuhause bei dem 30x40km großen Windfeld haben, jedoch durchaus. Das riesige Cluster findet sich auf der Schallopfer-Karte, wo u.a. ein enormer Anstieg psychischer Erkrankungen verzeichnet ist.

Norbert Schumacher schrieb:

Sorry, Rene, aber das ist mir doch etwas zu krass und eindimensional. Der Grundgedanke ist sicher richtig, aber die Thematik ist doch wohl etwas differenzierter. Außerdem sollten Protestwähler nicht pauschalisiert werden. Die vorherigen Beiträge waren besser. Parteien- und Wählerschelte bringt uns nicht weiter. Ich freue mich schon auf weitere Beiträge auf bewährtem Level. HG Norbert

Robert Niebach schrieb:

hallo rene, wollin, da sind sie ja in meiner nähe gewesen, hier entstand eines der größten windfelder in brandenburg, raum prenzlau, vom zug aus sahen sie nur die linke seite, anbei weitere fotos von heute.

grüße robert

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Wollin und Umgebung – mit dem Auge von Robert Niebachs Kamera gesehen

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7 Gedanken zu “Darf man eine bereits vollzogene Entwertung des ländlichen Raums als Lebensraum beim Namen nennen und bildet sie die Ursache des gegenwärtigen Rechtsrucks?

  1. Dr. Anton Schober schreibt:

    Bei Frau Janz haben wir einen „möglicherweise … komplexen Analyseaspekt“ zu beachten und Herr Schuhmacher möchte manches „differenzierter“ sehen.
    Seit Jahren erlebe ich (Krackow/Penkun), wie die Windmafia (und tv) die Bevölkerung und die Gemeinden belügt und betrügt und versucht über den Tisch zu ziehen.
    Ich habe 5 Altwindräder (kleine!!!) etwa 1000m weit weg vom Grundstück zu stehen, nur 2 sind direkt sichtbar, und bei entsprechender (West, selten) Windrichtung machts halt immer schrapp,schrapp,schrapp.
    Wieso ich das für die Extraprofite unserer Großagronomen (gerne „Bauern“ genannt) ertragen soll, kann mir gerne mal Frau Janz analysieren und Herr Schumacher möge mich in seine höherdimensionale Thematik einführen, auf dass ich nicht Protestwähler werde …
    Betreutes Denken, sozusagen.

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  2. Nein, da leide und protestiere ich mit Herrn Schober nach wie vor. Mir ging es in der schnellen Erwiderung an Herrn Sternke allein darum, die soziale oder bildungsmäßige Lage der Menschen im ländlichen Raum nicht zu pauschaliseren, und ich wollte davor warnen, sie automatisch als AfD-Wähler zu rechtfertigen und mit Sturmstaffeln zu verbinden. Die Bilder von Herrn Niebach mögen einer schönen Aesthetik nicht entbehren, sind aber für mich erschreckend wie jedes Windrad, das hinter einem Häuserdach hervorlugt oder in einer Offenlandschaft steht und die damit verbundenen Konsequenzen für die Anwohner und Kreaturen – und das wollte der Fotograf sicher auch mit-transportieren. Dass man zugunsten des Agronomen-Profits leiden muss und sich bei Protest von Politikern und Unternehmen noch anhören muss, man sei a-sozial, weil man nicht bereit sei, auf dem Land einen Beitrag zur Energiewende zu leisten, zeigt die uninformierte (oft selbstgefällige) Doppelmoral vor allem der konsumfreudigen Bewohner der Städte. Ich verstehe jetzt nicht, wie meine kleine Warnung in Zusammenhang mit der berechtigten Kritik der Betroffenen gebracht werden kann.

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  3. Ich habe das oben zitierte Schreiben von Frau Janz dahingehend verstanden, dass sie mir Taktlosigkeit vorwirft. Ich begegne jemandem, der Opfer einer Aggression geworden ist und der nun eine schreckliche Narbe mitten im Gesicht trägt. Wie verhalte ich mich? Sage ich, dass es schrecklich aussieht? Sage ich, dass man eigentlich kaum etwas sieht? Tue ich so, als ob ich nichts sähe? Oder befasse ich mich erst gar nicht damit, weil ich weit genug entfernt bin, und überlasse die Angelegenheit denen, die in der entstellenden Narbe eine „Vorprägung“ des Betroffenen zum Opfer für weitere Aggressionen sehen? So sagt etwa Enertrag zu dem geplanten Windfeld bei Penkun: „Vorprägung durch das direkt angrenzende Windfeld Schönfeld auf brandenburgischer Seite“ (https://penkun.enertrag.com/index.php?id=penkun), und Penkun und Schönfeld sind gar nicht so weit von dem riesigen Cluster, in dem Wollin liegt, entfernt und gliedern sich allmählich, insofern niemand einschreitet, in diesen Megawindpark ein. „Vorprägung“ ist ansteckend für den Nächsten und breitet sich, wen niemand einschreitet, flächendeckend über Deutschland aus.

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  4. Dr. Anton Schober schreibt:

    Tolle Ästhetik der Niebach-Bilder! Eigentlich sollte/könnte die Windbranche die alle zeigen, um zu demonstrieren, wie schön Windparks (immer so mehr im Hintergrund) in die ländliche Idylle integriert sind.
    Mein Lieblingsbild ist das letzte Bild: im Vordergrund rechts ein Stück Leitungsmast, filigran, fast wie ein Stück Eiffelturm … die schwarzen Bögen der Leitungen kontrastieren gegen das Himmelblau und behüten quasi die darunter liegende Landschaft. Weit im Hintergrund zart angedeutet eine weiße Wand aus kaum zu erkennenden Windradmasten, … , Symbole einer wunderbaren, nicht so fernen Zukunft.
    #######
    René sollte mal lieber ein paar seiner eigenen Bilder hier zeigen, knallharter Realismus, Autobahnbeton vor Industrielandschaft „Windpark“, Trostlosigkeit pur.

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  5. Meines Erachtens kann ein Foto wesentliche Eigenschaften eines Windrads oder gar eines Windparks nicht wiedergeben. Die Geräusche, die Vibrationen und die optisch wahrnehmbare Bewegung fallen weg. Es findet eine Beruhigung statt. Auch das Gigantische, Erdrückende, Bedrängende, Beklemmende fällt durch das kleine Format fort. Es wird Beherrschbarkeit hergestellt. Es findet auf Robert Niebachs Bildern eine Ästhetisierung statt, die bei meinen eigenen Knipsereien wegfällt. Auf seinem vierten Bild dominiert die geometrische Struktur des Ährenfeldes die Landschaft. Das wäre in natura nicht so. Dennoch empfinde ich den Anblick der Niebach’schen Bilder als schmerzhaft, wenn ich bei ihrer Betrachtung daran denke, dass so die Natur und die Landschaft aussehen sollen. Es ist Ziel der Bundesregierung, dass die Sichtbarkeit Energieerzeugung in der Landschaft gesteigert und der Landschaftswandel zu Energielandschaften vorangetrieben werden sollen (vgl. https://sternkekandidatkreistagvg.wordpress.com/2019/11/05/bfn-der-landschaftswandel-zu-energielandschaften-wird-weiter-vorangetrieben/). Wenn das tatsächlich breite Akzeptanz in der Bevölkerung besitzt, wie das Bundesamt für Naturschutz, das sich solchen Fragen widmet und unter Naturschutz die Umsetzung derartiger Ziele versteht, behauptet, so kann das nur daran liegen, dass viele Menschen diese Energielandschaften nur aus medialen Darstellungen und nicht aus der direkten sinnlichen Erfahrung kennen.

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    • Wilfried Bergholz schreibt:

      Wir stehen zur Zeit unter starkem Beschuss. Die Windkraft-Lobby macht mobil und die Öffentlich-rechtlichen Medien erfüllen auch bei diesem Thema ihre Aufgabe, siehe Bericht hr-Fernsehen defacto vom 25.11. / die letzten 10 Minuten, Link. Der „journalistische Beitrag“ erfüllt den Tatbestand der Volksverhetzung nach § 130 Abs. 2 SGB. Aber bitte Vorsicht mit der eigenen Polemik, Sturmstaffel sollte tabu sein! Das ist Wasser auf die falschen Mühlen. Aktuell wird in den staatlichen Medien an einem Dreiklang gearbeitet: Menschengemachte Klimawandelleugner + Vernunftkraft.de + AfD – siehe o.g. Sendung. Dem sollten wir entgegentreten. Für den Wahlerfolg der AfD im Osten Deutschlands gibt es viele Gründe, das ist ein zu weites Feld für diesen kurzen Zwischenruf.
      Unsere Offenlandschaft (schönes Wort) in der Uckermark ist zerstört. In Wollin und bei uns in Crussow. Aber wenn wir in Angermünde eine Demo machen, kommen nur drei Leute. Das ist unser Thema für die Zukunft. Und wir müssen auch nach Berlin, zu Tausenden …

      https://www.ardmediathek.de/hr/player/Y3JpZDovL2hyLW9ubGluZS83NjE3MQ/

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