Wem gehört eigentlich der Himmel?

Ein Gastbeitrag von Angelika Janz

Unterschreiben und verbreiten Sie bitte die Petition „Retten Sie den Rotmilan und andere von der Ausrottung bedrohte Arten!“

https://www.change.org/p/f%C3%BCr-landwirtschaft-und-umwelt-mecklenburg-vorpommern-retten-sie-den-rotmilan-und-andere-von-der-ausrottung-bedrohte-arten-0dab0be9-2465-4cbe-93f0-84b5430b0d8f

Neulich fragte ein Kind im Rahmen einer meiner Elemente-Werkstätten der KinderAkademie im ländlichen Raum: „Gehört der Himmel über unserem Grundstück auch uns? Wie weit denn? Bis ins Weltall?“

Ja, wem gehört eigentlich der Himmel? Gehört er nicht der Natur mit ihren zahlreichen Vogel- und Insektenarten oder nur einzelnen Kapitaleignern, die mit einem Stück Land den Himmel mitkaufen? 

Jetzt beginnt auch der Erwachsene nachzudenken: Darf eine von Natur und sanftem Tourismus geprägte Region es zulassen, dass ihre unzerschnittene Landschaft von industriellen Windparks zerstört wird? Hängt nicht in der Natur alles irgendwie zusammen, was man heute „Biodiversität“ nennt, mit der fast alle Parteien vollmundig argumentieren? 

Liegt die Gewinnmaximierung eines Unternehmens durch den Bau von Windkraftanlagen im öffentlichen Interesse – auf Kosten der Umwelt und des Artenschutzes? Darf man deshalb „ausnahmsweise“ das Tötungsverbot im Rahmen des Naturschutzes aushebeln?

Darf man, wie weiter im Bauantrag zwischen 109 und Bahnlinie bei Heinrichshof zu lesen, Wildvögel vergrämen, vertreiben, zahlreichen Wildvögeln, Wildtieren, Fledermäusen, Insekten und Wildpflanzen ihre Lebensgrundlage nehmen?

All das soll künftig mit zwei Windparks in der Friedländer Großen Wiese passieren, die vom Regionalen Planungsverband als Windeignungsgebiete ausgewiesen wurden, – das an Wald und den Naturpark Stettiner Haff grenzende Moldenhauer Bruch bei Aschersleben und bei Heinrichshof die von geschützten Vogelarten ebenfalls stark bevölkerte Wiese mit mehreren Biotopen zwischen 109 und der Bahnlinie, exakt an der Grenze zum Naturpark Stettiner Haff. Und für die existiert bereits ein Bauantrag. Reichte es dann, an anderer Stelle zum Ausgleich Bäume zu pflanzen, – eine „Ablasspraxis“, die man wie zu Luthers Zeiten handhabt? Darf auf diese Weise Klimaschutz gegen Artenschutz ausgespielt werden?

Dürfen Windparks ein regionales Großunternehmen auf Kosten des Naturgeschehens mit Strom versorgen, um (nach Aussagen einiger Planer und Politiker) Arbeitsplätze zu sichern? Es gibt, so die örtliche Presse, Verträge zwischen der Eisengießerei Torgelow, ENERTRAG und der Firma KLOSS New Energy GmbH. Das sei erst einmal ohne künftige Standortangaben dahingestellt. Wo beginnt und wo endet öffentliches Interesse?

Klimaschutz ist profitabel, Artenschutz braucht vor allem verantwortungsbewußte ideelle wie tätige Unterstützung aus allen Schichten der Bevölkerung, ja, der Schulen im Rahmen des Bildungsauftrages, der Naturverbände und der regionalen wie überregionalen Politik, erfordert Köpfchen, Respekt vor der Natur und ein hellwaches Interesse an ihrem Weiterleben für künftige Generationen. Denn Artenschutz ist Klimaschutz ist Menschenschutz, in dieser Reihenfolge und doch gleichzeitig – also zusammenhängend, also diversiv – gedacht, – so einfach ist das. Das versteht doch wirklich jedes Kind, oder ?  Aber merkwürdigerweise ist der Begriff „Artenschutz“ aus den öffentlichen Medien nahezu verschwunden. Er wird nur noch als negativ gewerteter Verhinderungsgrund für zu errichtende Windparks gehandelt und schnell verlächerlicht und wegargumentiert. Und das liegt nicht allein in der stereotypen – wie ich mittlerweile finde: unverschämt ignoranten, den Gesprächspartner verdummenden, seine eigene Vernageltheit entlarvenden – Frage: „Woher soll denn die Energie kommen“, – Ich setze fort: wenn – unabsehbar und unkontrolliert – immer mehr Produktion und kurzlebiger Konsum angeheizt werden zum Wohle und zur Steigerung von Gewinnen einiger weniger Unternehmer und Wirtschaftsbosse? Mittlerweile verschwinden 52% allein aller Lebensmittel in der BRD im Müll ! Ganz abgesehen von den Abermillionen schnellkaputtbaren Schnäppchen in jedem Winkel des  Erdballs. Das aber liest man, nicht einmal im mea-culpa-Jargon, allenfalls am Rande, naja, das ist ja „systemimmanent“! Ihr habt  d a s  ja gewählt! Das wirtschaftliche Wachstum muss steil nach oben weitergehen, wenn du weiter dazu gehören willst. Hm. 

Wer sieht eigentlich die Menschen, die in der Nähe von Windparks das volle Risiko zu tragen haben? Sie verlieren ihr vertrautes heimatliches Umfeld, die Natur geht vor ihren Augen dabei drauf, und unter sehr realen und immer noch belächelten oder offen verlachten Umständen auch die Gesundheit der Betroffenen durch den längst erwiesenen – (und wie bei der jahrelang geleugneten Krebsgefahr des Glyphosat) – immer noch verharmlosten, ins Esoterische verschobenen Infraschall. Die Betroffenen müssen zudem die Entwertung ihrer Grundstücke in Kauf nehmen, ja, man verhöhnt ihre Befürchtungen und lässt sie im Regen eines ungesicherten Alters stehen, das sie einmal als abgesichert wähnten. Man weist alle zu tragenden Konsequenzen und Nachteile eines ausufernden Stromhungers aus den Städten hinaus auf das Land, dessen Natur und dessen Menschen keine Rolle mehr zu spielen scheinen, die plötzlich, oft kaum einen Kilometer von ihrem Haus entfernt, mit bis zu 240 Meter hohen Industrieanlagen konfrontiert bis umzingelt werden (schaut mal, wie es bei uns in MV mit Stand 2015 aussah: https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_von Windkraftanlagen_in_Mecklenburg-Vorpommern). Und deren Argumente zur schnellen Abwehr „braun“ gefärbt werden. Wer dann auch noch von „Heimat“ spricht, die geschützt werden soll, ist als „Rechter“ schnell weggebügelt, so muss sein Bedenken nicht mehr ernst genommen werden. Planer, Betreiber wie Unternehmer verorten im Zeitalter grenzen-loser Mobilität ihren Heimatbegriff fast immer woanders.

Es werden jedoch zunehmend mehr Menschen der Region auf die latente Bedrohung ihres Lebensumfeldes durch industrielle Windkraftanlagen aufmerksam. Ein paar von ihnen, gehen – schon seit Jahren – in die Wiesen, in die Lübser Wiesen und das Moldenhauer Bruch bei Aschersleben und beobachten, fotografieren, kartografieren und zählen regelmäßig den Vogelbestand, besonders die gefährdeten Arten wie Rotmilan und See- wie Schreiadler und sind, wie alljährlich, oft fassungslose und glückliche Zeugen des überwältigenden Schauspiels tausender rastender Kraniche, Wildgänse und Wildschwäne. Erst vor wenigen Tagen wurden 11 Seeadler auf den Lübser Wiesen, genau dort, wo der kürzlich in der Planung noch mal erweiterte Windpark geplant ist, in ihrem Nahrungshabitat gezählt und aufgenommen. Viele der direkt und indirekt Betroffenen richten zum zigsten Male ihre Befürchtungen an den Regionalen Planungsverband Greifswald und an die örtlichen wie überregionalen – bis hinauf nach Brüssel – Politiker. Die Medien nehmen sie endlich ernst und widmen ihnen immer ausführlichere Artikel und Sendungen, denn wer betroffen ist, informiert sich, lernt dazu und gibt sein Wissen in der Regel gerne weiter. Zunehmend mehr der Menschen stehen immer häufiger, regelmäßiger, beharrlicher und immer freundlich und polizeilich „angemeldet“  mit phantasievollen und bedenkens-werten Transparenten ausgestattet an Straßenrändern, auf Plätzen, vor öffentlichen Gebäuden oder wie ganz in meiner Nähe: an der 109, – jeden neuen Samstag von 10 bis 11 Uhr, der, von welchem Klima auch immer bestimmt, jedes neue Wochenende etwas nachdenklicher als üblich gestalten wird, und ich bin, wann immer möglich, immer gerne dabei. Denn diese eine Stunde für den Artenschutz der Zukunft vermittelt noch etwas: einen zunehmend vertrauteren Austausch miteinander, fast wie früher samstags auf dem Marktplatz….

Angelika Janz, Aschersleben im Sept.19  

Anmerkung von René Sternke: Die Verflechtung zwischen der SPD und den im Essai genannten privaten Unternehmen ist besonders eng. Letztere sind für die Selbstversorgung der SPD-Politiker sehr wichtig. So legte Volker Schlottmann (SPD), bis Dezember 2013 Energiemininster in Mecklenburg-Vorpommern, im März 2014 sein Mandat nieder und nahm im April 2014 seine Tätigkeit als Kommunikationsdirektor beim oben erwähnten Wind- und Solarparkentwickler Kloss New Energy auf.

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Mahnwache für die Wiesen und den Himmel darüber (Quelle: Freie Friedländer Wiese)

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