Windräder und Romantik – Bild und Wirklichkeit

Unterschreiben und verbreiten Sie bitte die Petition „Retten Sie den Rotmilan und andere von der Ausrottung bedrohte Arten!“

https://www.change.org/p/f%C3%BCr-landwirtschaft-und-umwelt-mecklenburg-vorpommern-retten-sie-den-rotmilan-und-andere-von-der-ausrottung-bedrohte-arten-0dab0be9-2465-4cbe-93f0-84b5430b0d8f

  Das Klassische nenne ich das Gesunde und das Romantische das Kranke (Goethe)

Robert Niebach hat mir zwei verstörende Bilder der Uckermarkdisco zugeschickt. Sie realisieren die romantische Ästhetik par excellence.

Schattengleich heben sich die irdischen Landschaftselemente, Bäume und Windräder, wie auf einem Bild Caspar David Friedrichs, vor dem hellen Hintergrund ab. Die Farbenfolge variiert den Regenbogen. Das uns aus der Ferne erscheinende Licht verkündet Transzendenz.

Auf dem zweiten Bild steigert der Realismus des Rohres der neuen Erdgasleitung im Vordergrund den Spannngsbogen, innerhalb dessen sich der Aufstieg von der irdischen Realität zum himmlischem Lichte ereignet. Die im Hintergrund zart hingehauchten Windräder strecken ihre Arme sehnsuchtsvoll von der Erde, in der sie verhaftet sind, dem erlösenden Jenseits entgegen. Sie erfüllen dieselbe symbolische Funktion wie die Kirchen auf einem Bild Caspar David Friedrichs.

Die Frage, ob Windräder romantisch sind oder nicht, wird immer wieder aufgeworfen. Prof. Dr. Hansjörg Küster sagt als Vertreter eines ästhetischen Relativismus im Deutschlandfunk in der Sendung „Wie romantisch sind Windräder?“ von Günther Wessel: „Es ist nicht so, dass wir eine Landschaft zerstören, wenn wir Industrie aufbauen. Sondern wir schaffen einfach eine neue Landschaft. Ursprünglich war es so, im 19. Jahrhundert, dass die Maler die Industrie auch mit in ihre Landschaften einbezogen haben. Wenn man bloß mal an Maler denkt wie Adolph von Menzel oder Carl Blechen beispielsweise, aber auch William Turner. Die haben selbstverständlich den Raddampfer auf den Fluss gesetzt, es gibt sogar Maler, die haben schon einmal vorsorglich die Eisenbahn mit in ihre Bilder eingezeichnet, die sie gar nie gesehen haben.“ Wessel resümiert, „was man romantisch, passend oder schön fände, ändere sich“.

Dr. Thomas Kirchhoff hingegen sieht in seinem Beitrag „Verschandeln Überlandleitungen und Windräder die Landschaft?“ im Evangelischen Magazin Windräder im Gegensatz zum romantischen Landschaftsideal: „Dagegen steht das romantische Landschaftsideal – eine Reaktion auf die Entzauberung der Welt durch Vernunft, Wissenschaft und Technik. Der romantische Blick will in der Natur, abseits der Alltagswelt, das ganz Andere erfahren: eine Entgrenzung des Ich zum Beispiel, die Versöhnung mit der Natur. Angesichts der am Horizont verschwimmenden Kamm­linien der Berge, der Weite des Meeres soll die Einheit des sonst Getrennten wieder erstehen, stille Wälder erscheinen als geheimnisvolle Rückzugsorte. […] Der Romantiker stört sich sicher daran, dass Windräder technisch-industrielle Bauwerke sind, Symbole der ‚Entzauberung‘ der Welt.“

Robert Niebachs Bilder zeigen, dass beide Argumentationen ins Leere gehen. Landschaften sind weder Bilder noch Symbolkonfigurationen. Wir können die Bilder und Symbole in den Landschaften suchen und finden. Aber niemals können wir die lebendigen Landschaften in den Bildern finden. Landschaften können Bilder ersetzen, aber Bilder können Landschaften nicht ersetzen. Weder Kunstwerke noch Landschaften bilden etwas ab, sondern bedeuten sich selbst.

Die Ästhetisierung und Romantisierung findet im Prozess der Medialisierung statt. Die Landschaft aber, das Ökosystem, in seiner Lebendigkeit ist mehr als das Bild, das bestenfalls eine Erinnerung an die Landschaft sein kann. Damit das Bild die Erinnerung an die Landschaft wachrufen und das Landschaftserlebnis in uns wiedererwecken kann, müssen wir das Landschaftserlebnis aus sinnlicher Erfahrung kennen, müssen wir die Landschaft mit allen unseren Sinnen gespürt und genossen haben.

„Energielandschaften“ haben, wie ich an anderer Stelle dargelegt habe, keine kontemplativen Qualitäten, weil sie die Grundvoraussetzung des ästhetischen Erlebnisses, die Freiheit des Erlebenden, nicht gewähren. Erst durch die Medialisierung können sie, wie Robert Niebachs Bilder belegen, ästhetisiert und romantisiert werden.

Meine eigenen kunstlosen Knipsereien zeigen den Unterschied zwischen einer Energielandschaft, die möglicherweise irgendwo an einem fernen Ort CO2-Einsparungen ermöglicht, und einer Klimaschutzlandschaft, die der CO2-Reduktion vor Ort dient. Der ästhetische Genuss der Klimaschutzlandschaft setzt keine Kenntnisse von Bildern und Symbolen voraus, er erfordert nichts als Öffnung der Sinne.

Uckermarkdisco © Robert Niebach
Uckermarkdisco © Robert Niebach
Caspar David Friedrich: Hügel mit Bruchacker bei Dresden
Wiedervernässtes Marten’sches Bruch (Foto: René Sternke)
Wiedervernässtes Marten’sches Bruch (Foto: René Sternke)
Uckermarkdisco (Foto: René Sternke)
„Sanft ansteigende, sandige, vorwiegend mit Kiefernwald bestandene Moränen, dazwischen kleinere Seen. Fast ein Idyll – eines mit Autobahnanschluss. In 500 Metern Entfernung durchschneidet rauschend die A11 nach Stettin den Wald.“ (Günther Wessel)
Uckermarkdisco (Foto: René Sternke)
Man hat die Autobahnen ebenso gebaut, dass sie auch in Landschaften passten. […] Man hat gesagt, man pflanzt direkt die Natur neben die Autobahn, damit das alles völlig akzeptiert wird. Das kann man aber natürlich mit einem Windrad nicht machen.“ (Prof. Dr. Hansjörg Küster)
Uckermarkdisco (Foto: René Sternke)
„Ja, irgendwo müssen sie stehen, wenn man die Energiewende will. Und ich vermute, dass nicht genügend geeignete vorbelastete Standorte in Industriege­bieten und an Autobahnen, Bahnstrecken oder Stromtrassen entlang vorhanden sind.“ (Dr. Thomas Kirchhoff)

Nehmen Sie bitte Kontakt zu Ihren Bundestagsabgordneten auf und fordern Sie sie auf, den von Peter Altmaier vorbereiteten Gesetzesnovellen zur weiteren Beseitigung des Artenschutzes nicht zuzustimmen!

Unterschreiben und verbreiten Sie bitte die Petition „Retten Sie den Rotmilan und andere von der Ausrottung bedrohte Arten!“

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2 Gedanken zu “Windräder und Romantik – Bild und Wirklichkeit

  1. Wie ich sehe, treibt dich das Thema immer noch um. Mir ist es auch so komplett unverständlich, wie es möglich ist, WKA so etwas wie eine Ästhetik zuzusprechen. Mit der entsprechenden Kamera und der entsprechenden Propaganda lassen sich wahrscheinlich auch Tagebaue „romantisieren“. Mich erschreckt es, dass wir tatsächlich überhaupt darüber sprechen müssen, dass der Unterschied zwischen Landschaft und Industriegebiet so stark verloren gehen konnte ….

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