Kritik der Langzeitstudie des Technischen Forschungszentrums Finnland VTT Oy, des Finnischen Instituts für Arbeitsmedizin, der Universität Helsinki und des Finnischen Instituts für Gesundheit und Wohlbefinden THL

Ein Gastbeitrag von Prof. Dr. Kimmo Suomi

Unterschreiben und verbreiten Sie bitte die Petition „Retten Sie den Rotmilan und andere von der Ausrottung bedrohte Arten!“

https://www.change.org/p/f%C3%BCr-landwirtschaft-und-umwelt-mecklenburg-vorpommern-retten-sie-den-rotmilan-und-andere-von-der-ausrottung-bedrohte-arten-0dab0be9-2465-4cbe-93f0-84b5430b0d8f

Im April 2020 berichtete Windmesse all in wind triumphierend über die Langzeitstudie des Technischen Forschungszentruma Finnland VTT Oy, des Finnischen Instituts für Arbeitsmedizin, der Universität Helsinki und des Finnischen Instituts für Gesundheit und Wohlbefinden THL: „Eine Langzeitstudie des technischen Forschungszentrums Finnland (VTT) zu den Auswirkungen von Infraschall durch Windenergieanlagen kommt zu dem Ergebnis, dass keine Hinweise für eine Gesundheitsgefährdung von Anwohnern gefunden werden können. Die Studie untermauert damit die Aussagen des Umweltbundesamtes, auf die sich auch der Bundesverband WindEnergie (BWE) immer gestützt hat.“

Diese Aussage von Windmesse all in wind über das UBA ist unwahr. Das UBA äußerte erst im August 2020 in Auswertung seiner Studie „Lärmwirkungen von Infraschallimmissionen“: „Aufgrund der Ergebnisse der Laboruntersuchung kann folglich nicht ausgeschlossen werden, dass es bei einer langfristigen oder andauernden Exposition nicht doch zu physiologischen Veränderungen kommen kann“ (vgl. dazu „Das UBA spielt auf Zeit“).

Prof. Dr. Kimmo Suomi hat die der Langzeitstudie des finnischen Instituts für Gesundheit und Soziales (THL), der finnischen Arbeitsschutzbehörde (FIOH), der Universität Helsinki und des Finnischen Instituts für Gesundheit und Wohlbefinden THL zugrundegelegte wissenschaftliche Methode einer gründlichen Kritik unterzogen:

Über die Windkraft- und Infraschallstudie

Im Auftrag der Forschungsstiftung für ambulante Patientenversorgung (”Avohoidon tutkimussäätiö“) nehme ich Stellung zur Studie „Infraschall von Windrädern und Gesundheit“, die von der finnischen Regierung finanziert wurde. Deren Ziel war es herauszufinden, ob der Infraschall von Windkraftwerken schädliche Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit hat. Das Projekt wurde als multidisziplinäre Zusammenarbeit vom Technischen Forschungszentrum Finnland VTT Oy, dem Finnischen Institut für Arbeitsmedizin, der Universität Helsinki und dem Finnischen Institut für Gesundheit und Wohlbefinden THL durchgeführt. Das Projekt bestand aus drei Teilen: Befragungsstudie, Langzeitmessungen und Höruntersuchungen. Als Professor habe ich im Laufe meiner Berufslaufbahn an der Universität Jyväskylä mehrere hundert Studien u.a. für die Finnische Akademie, das Ministerium für Bildung und Kultur, die Finnische Stiftung für Kommunalentwicklung beurteilt und war u.a. neun Jahre lang Vorsitzender des Wolmar Schildt-Fonds Mittelfinnland. Meine Stellungnahme wurde verfasst im Frühjahr 2020, dem Zeitpunkt, zu dem erste Informationen über die Studie auf dem Internetauftritt der Regierung veröffentlicht wurden.

Postalische Befragung und Telefoninterviews

Zu Beginn wurde eine postalische Befragung durchgeführt, die nur von 28% der Angesprochenen ausgefüllt wurde. Über 70% der Versuchspersonen antworteten folglich nicht. Zusätzlich wurden telefonisch 10% der Personen befragt, die nicht auf die postalische Befragung geantwortet hatten. Die Untersuchung wurde lediglich in zwei Gemeinden durchgeführt – in Kurikka und Raahe im Einflussbereich von 17 Windkrafträdern. Das Hauptproblem der Studie ist der große Schwund an Versuchsteilnehmern, wodurch die wissenschaftliche Berechtigung entfällt, die jetzt in den Medien verbreiteten Schlussfolgerungen zu ziehen. Auf Basis der Berichterstattung kann man nicht wissen, wie gut die Befragten die Bevölkerung des Gebietes oder auch jede andere wissenschaftliche Grundgesamtheit repräsentieren. Waren sie reich, arm, alt, jung, krank oder gesund, ausgebildet oder nicht ausgebildet, oder wer waren sie? Repräsentierten die Antwortenden die Bevölkerung des untersuchten Gebietes? Von Fragebogenstudien weiß man, dass Personen mit hohen soziökonomischen Status eher an Umfragen teilnehmen als solchen mit niedrigem sozioökonomischem Status. Somit erhöht sich im Datenmaterial der Anteil der wohlhabenden, z.B. gesunden Personen. Das gleiche Problem besteht bei Telefoninterviews, weil Personen mit niedrigem sozio-ökonomischen Status nicht in gleichem Maße über Telefonanschlüsse verfügen oder sie verwenden wie Personen mit höherem sozio-ökonomischem Status. Bis zu 20 Prozent der Bewohner eines Untersuchungsgebietes kann von Telefonbefragungen ausgeschlossen sein, weil sie keinen Telefonanschluss haben. Gerade sie haben in der Hauptsache einen niedrigen sozio-ökonomischen Status.

Langzeitmessung

Die Studie bezeichnet die Außenmessungen von Schall innerhalb der Windkraftwerkgebiete, der von Windparks über einen Zeitraum von 308 Tagen emittiert wurde, als Langzeitstudie. Mit diesem Verfahren kann man keine Informationen über jahrelange Infraschall-Exposition ermitteln. Es bedürfte jahrelanger Forschung, um ein Äquivalent zu der Situation zu erschaffen, in der sich Menschen, die in der Nähe von Windparks leben, praktisch bis zu mehreren Jahrzehnten befinden. Mit einer Messdauer von lediglich unter einem Jahr ergibt sich keine wissenschaftlich fundierte Untersuchung zur Infraschallexposition. Innenmessungen wurden nur in zwei Wohnhäusern durchgeführt, von denen eines ein Blockhaus aus Holz und das andere ein gemauertes Gebäude war. In Bezug auf Windkraft ist bekannt, dass zuverlässige Ergebnisse erst durch eine mehrjährig und ganzjährig durchgehende Messung erreicht werden, weil der Wind insbesondere in den großen Seengebieten unseres Landes starken Schwankungen unterliegt. Relativ genaue Informationen zum Wind bekommt man beim Meteorologischen Forschungsinstitut in Form von Geodatensätzen (GIS). Ich habe selbst gemeinsam mit meinem Promotionsstudenten LitT Béla Pavelka u.a. die Auswirkungen von Wind, Temperatur und Wärmestrahlung der Sonne auf das Rudern und Skifahren in verschiedenen Gebieten unseres Landes in Pavelkas Doktorarbeit untersucht. Die Untersuchungsgebiete, im vorliegenden Fall nur in Raahe und Kurikka, berechtigen weder aus wissenschaftlicher noch aus statistischer Sicht dazu, Schlussfolgerungen in Bezug auf das ganze Land zu ziehen, und die Bedingungen in Kurikka und Raahe kann man nicht z.B. mit den Windbedingungen im Binnenland und den großen Binnenseen wie dem Päijänne gleichsetzen. Entscheidend in Bezug auf die gesundheitlichen Auswirkungen von Infraschall ist, dass z.B. der Meereswind in Raahe deutlich gleichmäßiger weht als Seewind, der ungleichmäßiger und böiger ist. Gerade aus diesem böigen Luftfluss resultiert eine große Schwankung im durch die Rotorflügel von Windrädern ausgelösten Schalldruck. Aufgrund des Klimawandels werden Extremwinde in Zukunft häufiger auftreten, d.h. Windphänomene, die zum schädlichen Infraschall beitragen, werden häufiger.

Höruntersuchung

Die Studie wurde vervollständigt, indem Personen, die an der Befragungsstudie teilgenommen hatten, zu einer Windkraftwerk-Höruntersuchung eingeladen wurden. Akquiriert wurden in Anmeldungsreihenfolge 27 Personen, von denen die Hälfte an Symptomen durch Infraschall leiden sollte und die andere Hälfte symptomfrei sein sollte. Es wurden also diejenigen einbezogen, die sich zuerst gemeldet hatten. Es wurde keine wissenschaftlich fundierte Standardisierung oder Auswahl durchgeführt, sondern es wurden teilweise zufällig 16 symptomlose und 11 Personen mit Symptomen einbezogen. Laut den Wissenschaftlern war es schwierig, Personen aus der zweitgenannten Gruppe als Versuchspersonen zu gewinnen, weil ein Teil der eingeplanten Teilnehmer die Teilnahme verweigerte oder aufgrund von u.a. Reiseschwierigkeiten, anfallenden Reisekosten und gesundheitlichen Gründen die Anmeldung zurückzog. Gerade diejenigen Personen mit niedrigem sozioökonomischem Status flossen also nicht in den Datensatz ein. Aus der Berichterstattung wird nicht ersichtlich, welche Personen letztendlich an der Höruntersuchung teilnahmen, wie hoch der Schwund an Versuchspersonen war und wie dieser analysiert wurde. Vermutlich nahmen an der Höruntersuchung aus der bereits an sich unklaren Befragungsstudie (Antwort-28%) die aktivsten, gesündesten, reichsten, also die sogenannten Personen mit hohem sozio-ökonomischem Status teil, weil ihr Anteil an Studien aufgrund größeren Aktivitätskapitals üblicherweise überbetont wird. Personen, die Symptome durch Infraschall hatten, fielen heraus, wodurch von ihnen insgesamt weniger teilnahmen als geplant. Es ist fragwürdig, anhand der Ergebnisse von 27 auf statistisch unklare Weise ausgewählten Personen starke Schlussfolgerungen zu ziehen. Am meisten zu denken geben die durchgeführten Höruntersuchungen mit aufgenommenen Windkraftgeräuschen, wobei die Versuchspersonen auch Naturfilme anschauen sollten, die ebenfalls bewertet werden sollten. Die Hör- und Sehzeit betrug 10 Sekunden, 7 Minuten und 10 Minuten. Von wissenschaftlich fundierter Langzeitexposition mit Infraschall kann man in dieser Studie keinesfalls sprechen, und die jetzt vorgestellten Schlussfolgerungen kann man daraus nicht ziehen.

Zusammenfassung

Die Studie kündigt an, im Sommer 2020 einen Abschlussbericht vorzulegen, der noch nicht erstellt wurde. Das größte Problem liegt darin, dass der Forschungsdatensatz mangelhaft ist, in dem der Anteil der Personen mit sozioökonomisch hohem Status möglicherweise auf Kosten derjenigen Personen mit niedrigem sozioökonomischem Status überbetont sein könnte. Ich war Erstgutachter von einem Dutzend Doktorarbeiten und über 200 universitären Abschlussarbeiten. Die fragliche Studie wäre in den von mir durchgeführten Abschluss- oder Doktorandenseminaren nicht durchgegangen, bevor deren Datensatz nicht merklich verbessert worden wäre in der Hinsicht, dass er die Grundgesamtheit vertritt, was anhand der jetzt in den Medien verbreiteten Informationen nicht bekannt ist. Die korrekte Schlussfolgerung auf Basis dessen, was in der Studie dargelegt wurde, lautet: Die verwendeten Forschungsdaten und -methoden können nicht verwendet werden, um zu zeigen, ob Windkraft aufgrund von Infraschall gesundheitliche Probleme verursacht oder nicht. Besorgniserregend ist, dass die Studie als Rechtfertigung für die Durchführung der Klimapolitik im politischen Regierungsprogramm des Landes verwendet werden soll. Die Studie erfüllt aufgrund ihrer Mangelhaftigkeit wissensgeleitete Kriterien nicht in ausreichendem Maße, um als Rechtfertigung für die Klimapolitik herangezogen werden zu können.

Jyväskylä, 28.4.2020

Prof. Dr. Kimmo Suomi

*

Nehmen Sie bitte Kontakt zu Ihren Bundestagsabgordneten auf und fordern Sie sie auf, den von Peter Altmaier vorbereiteten Gesetzesnovellen zur weiteren Beseitigung des Artenschutzes nicht zuzustimmen!

Unterschreiben und verbreiten Sie bitte die Petition „Retten Sie den Rotmilan und andere von der Ausrottung bedrohte Arten!“

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Quelle: https://www.windwahn.com/2020/09/06/gehoersinn-unerhoerte-wirkung/

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Sollten Sie auf dieser Seite Werbung sehen, so bitte ich Sie ausdrücklich, diese Produkte auf keinen Fall zu kaufen, sondern das Geld einem gemeinnützigen Verein zu spenden.

Naturschutzinitiative e.V.

Deutsche Schutz-Gemeinschaft für Mensch und Tier e.V. (DSGS e.V.)

Verein für Landschaftspflege und Artenschutz in Bayern e.V.

Deutsche Wildtier Stiftung

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