Rother Baron: Die Legitimierung von Naturzerstörung im Interesse der Energiegewinnung

„Der frühere saarländische Umweltminister Stefan Mörsdorf hat einmal davon gesprochen, wir müssten uns für unsere Energieversorgung ‚von liebgewonnenen Landschaften trennen‘. Auch dies offenbart eine Haltung, bei gezielt eine als ‚schwächlich‘ diffamierte Gefühlslage – der Wunsch nach einem Leben in einer unverbauten Natur, nach einem harmonischen Miteinander von Mensch und Natur – verdrängt wird, um eine abstrakte Zielvorgabe – die Deckung des deutschen Strombedarfs durch erneuerbare Energien – umzusetzen.
Die sich selbst abverlangte Härte bewirkt auch hier eine vollständige geistige Unterordnung unter das betreffende Konzept, eine Art Denkverbot. Die Folge ist, dass das eigentliche Ziel einer umweltschonenden Energieversorgung ins Gegenteil verkehrt und die planmäßige industrielle Zerstörung der letzten Reste intakter Natur durch Windstromanlagen und die rücksichtslose Ausbeutung der für das neue Energiezeitalter benötigten Ressourcen (8) vorangetrieben wird.

(8) Zu erwähnen sind hier zum einen die für die Akkus benötigten Rohstoffe, an erster Stelle Lithium und Kobalt. Für die Stahlbetontürme der Windkraftanlagen werden jedoch auch Unmengen von Zement benötigt, bei dessen Produktion viermal so viel klimaschädliches Kohlendioxid freigesetzt wie durch den gesamten jährlichen Luftverkehr. Außerdem führt die Zunahme von Betonbauten zu einem verstärkten Abbau der als Grundmaterialien benötigten Rohstoffe Sand und Kies – was wiederum gerade das fördert, was durch die Klimaschutzmaßnahmen eigentlich verhindert werden soll: die Erosion.
Boddenberg, Sophia: Lithiumabbau für E-Autos raubt Dörfern in Chile das Wasser. Deutsche Welle, 27. Januar 2020.
Faget, Jochen: Lithium-Krieg in Portugal. Elektroautos und die Folgen. Deutschlandfunk Kultur, 27. Januar 2020.
Langen, Kristin: Bauwirtschaft und Klimaschutz: Stahl, Beton und Zement verschlingen Energie. Deutschlandfunk Kultur, Zeitfragen, 9. Juli 2019.
Pramer, Philip: Böser Beton. Warum Zement der geheime Klimakiller ist. In: Der Standard, 3. Mai 2019.
Röhrlich, Dagmar: Sand: Ein nur scheinbar unendlicher Rohstoff . Deutschlandfunk, Hintergrund, 5. Januar 2020.
Staude, Linda: Kobaltabbau im Kongo. Der hohe Preis für Elektroautos und Smartphones. Deutschlandfunk, Hintergrund, 25. Juli 2019.“

(aus Rother Baron: „Was mich nicht tötet, härtet mich ab!“)

Kommentar von René Sternke

Meines Erachtens geht es bei der Transformation der historisch langsam gewachsenen Kulturlandschaften in Energielandschaften nicht um Energieversorgung, sei sie umweltschonend oder nicht, sondern um eine bessere Inwertsetzung dieser Landschaften. Denn Energie ließe sich preiswerter mit anderen Technologien gewinnen, die weniger Landschaften schädigen würden, weil ihr Flächenbedarf geringer ist. Doch der Flächenbesitzer kann aus seiner Fläche, wenn sie als Energielandschaft verpachtet, größeren Gewinn herausschlagen, als wenn er sie landwirtschaftlich, forstwirtchaftlich oder auf andere Weise nutzte. So versucht die sozialdemokratische Landesregierung in Mecklenburg-Vorpommern aus der bloßen Fläche, auf der Menschen und andere Lebewesen als Störelemente und Genehmigungshindernisse vorkommen, größtmöglichen Profit zu schlagen. Weltweit können sogar und vor allem bislang noch beinahe wertlose Flächen wie die Reservate Autochthoner und die Lebensräume zurückgedrängter kulturflüchtender Wildtierarten dank ihrer durch diese scheinbar neue Technologie ermöglichten Industrialisierung zur Kapitalumverteilung und -akkumulation eingesetzt werden. Die behauptete Umweltverträglichkeit dieser Technologie, mittels welcher man sogar mittels vermeintlicher Einsparung von vermeintlich klimaschädlichem Kohlendioxid das gradgenau unbekannte Weltklima gradgenau regulieren könne, rechtfertigt eine enorme Verteuerung der Energiegewinnung und die ständige Umverteilung des gesellschaftlichen Reichtums in die Taschen derjenigen, die das Kapital akkumulieren. Bereits der Anblick, das sinnliche Erlebnis, dieser sich bald bewegten, bald pausierenden, aber pausenlos kapitalbewegenden Finanzprodukte, lässt erkennen, dass sie weder naturverträglich noch zuverlässig und wirtschaftlich sein können. Als schwächlich diffamiert und bekämpft wird meines Erachtens nicht eine Gefühlslage oder ein Wunsch, sondern das ästhetische Erkenntnisvermögen, die Urteilskraft, die Verstand und Vernunft verbindet. Vollzogen wird also nicht eine Unterordnung des Konkreten unter das Abstrakte, sondern eine Trennung des Abstrakten vom Konkreten, die ein neues Konkretes erzeugt. Ob nun Hakenkreuz oder Windrad, symbolisiert wird immer die Kapitalzirkulation.

„Was mich nicht tötet, härtet mich ab!“ (Quelle: https://rotherbaron.com/2021/10/03/was-mich-nicht-totet-hartet-mich-ab/)

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