Carl Friedrich Freiherr von Weizsäcker und die Etablierung der These von der Klimaschädlichkeit des CO2 im politischen Diskurs

Einführung

Dieser Beitrag ist aus einer Diskussion in einer Emailgruppe hervorgegangen. Ausgangspunkt war die These von Hanna Thiele, dass der Naturwissenschaftler, Philosoph und Politikberater Carl Friedrich von Weizsäcker die Schuld daran trage, dass die wissenschaftliche Hypothese von der Schädlichkeit des CO2 für das Klima zu einem ideologischen Dogma geworden ist, das die theoretische Grundlage eines Betrugssystems bildet, bei welchem zu einem vorgeblichen Klimaschutz Kapital umverteilt und Bürgerrechte eingeschränkt werden.

Vor allem nach der Katastrophe von Tschernobyl am 26. April 1986 diente die Hypothese, dass erhöhte CO2-Emissionen zur globalen Erwärmung führen, der Verteidigung der mehr und mehr in die Bedrängnis geratenen Kernenergie. Heute wird diese Hypothese, die niemals belegt, sondern bestenfalls plausibilisiert werden konnte, auch zur Propagierung der Erneuerbaren Energien eingesetzt, obwohl mit diesen keineswegs so hohe CO2-Einsparungen erzielt werden können wie mit der Kernenergie (vgl. electricityMap.org und „Französische Nationalversammlung: Klimatischer Nutzen der Windkraft = 0 – Kosten höher als Baukosten des gesamten Nuklearkomplexes“). Gälte diese Annahme tatsächlich, wäre der Einsatz von Kernenergie unumgänglich. Deutschlands Zurückschrecken vor diesem Schritt spricht dafür, dass dieser Hypothese in Wahrheit keine große Wahrscheinlichkeit zugesprochen wird und dass es sich tatsächlich um die Grundlage eines Betrugssystem handelt.

Die Begründung, dass eine wissenschaftliche Hypothese von einer Mehrheit von Wissenschaftlern für wahrscheinlich gehalten wird, ist kein Beweis für die Wahrheit dieser Hypothese und die Argumentation mit dem Argument, dass es eine Mehrheit gebe, die eine bestimmte Ansicht teile, ist ein Indiz dafür, dass man kein besseres Argument hat.

Vorliegender Beitrag soll Bausteine zu einer Geschichte der CO2-These bereitstellen. Wie ist die wissenschaftliche Hypothese in den politischen Diskurs gelangt? Handelt es sich von Anfang an um einen geplanten Betrug? Hat Freiherr Carl Friedrich von Weizsäcker eine wissenschaftliche Hypothese zu einem politischen Werkzeug zugerichtet?

Analyse der nachstehenden Dokumentation

Carl Friedrich Freiherr von Weizsäcker reflektiert sowohl als Mitautor des Göttinger Manifests von 1957 als auch in seinem Vortrag von 1979 den Unterschied zwischen einer wissenschaftlichen Arbeit und einer politischen Entscheidung. Seine Argumentation ist in beiden Texten transparent und kritisierbar. Er empfiehlt 1979 den weitestmöglichen Verzicht auf fossile Energien aufgrund einer vermuteten Gefahr. Diese Empfehlung kann man kritisieren, weil er eine sehr weitreichende Entscheidung mit einer bloßen Vermutung begründet. Aber auch hier legt er seine Argumentation frei, sodass sie kritisiert werden kann. Der Redner gesteht, dass er nicht ausreichend informiert ist, um zu urteilen. Wie bereits 1956 in dem Bericht der Zeitschrift „Time“ über die Forschungen von Roger Revelle wird in der Weizsäcker-Rede von 1979 die Gefährdung durch das bei der Verbrennung freigesetzte CO2 als Hypothese charakterisiert.

Dagegen stellt die Deutsche Physikalische Gesellschaft (DPG) den Zusammenhang zwischen Zunahme der CO2-Emissionen und Temperaturanstieg 1971 in ihrer Presseerklärung zur 36. Physikertagung in Essen als Tatsache dar. Allerdings wird diese behauptete Tatsache überhaupt nicht als dramatisch oder problematisch angesehen. Erst im Januar 1986 spricht die DPG in einer gemeinsamen Erklärung mit der Deutschen Meteorologischen Gesellschaft (DMG) von einer Klimakatastrophe. Aber auch in dieser Erklärung räumt sie ein, man könne „nie erwarten, bezüglich künftiger Klimaveränderungen jemals zweifelsfreie Vorhersagen zu bekommen“.  Es ist paradox, dass die DPG gerade aus der Unsicherheit darüber, ob die Gefahr eintritt, die Notwendigkeit, dagegen anzugehen, ableitet.

Reagiert die DPG 1986 mit ihrem Angriff auf die fossilen Energien auf die Anti-Atomkraft-Bewegung der 70er Jahre? Diese These formuliert Ernst Ulrich Freiherr von Weizsäcker in seinem Brief an mich: „Aber Ende der 1970er Jahre, als die Kernenergie gerade ins politische Schussfeld gelangte, haben recht viele Vertreter der Deutschen Physikalischen Gesellschaft (DPG) Anstrengungen unternommen, (zur Verteidigung der Kernenergie) die übermäßige Verbrennung von Kohle öffentlich zu kritisieren.“ Hier erhalten wir einen Hinweis auf die Verbindung von Wissenschaft, Politik und Lobbyismus. Dieser Aspekt müsste für die 70er und 80er Jahre anhand weiterer Quellen genauer untersucht werden.

Die Elefantenrunde von 1987 zeigt, wie sehr die Einschätzung der Gefährdung der Menschheit durch die Zunahme des CO2 durch Politiker von energiepolitischen und Lobbyinteressen geprägt ist. Während Franz Josef Strauß (CSU) als Vorläufer und Vorbild Luisa Neubauers diejenigen, die CO2 verbrennen, „Verbrecher an unseren bioklimatischen Verhältnissen und an der nächsten Generation“ nennt, antwortet Johannes Rau (SPD): „Das bestreite ich energisch!“ Strauß’ schärferer Ton ist bereits das Echo auf Tschernobyl. In seiner Argumentation wird der hypothetische Charakter des angenommenen Zusammenhangs zwischen CO2-Emission und Verschlechterung der bioklimatischen Verhältnisse verschwiegen, der in der DPG-Studie, auf die er sich bezieht, noch erwähnt wird. Während Wissenschaftler auch da, wo sie vermutlich politische Interessen verfolgen, überprüfbare Tatsachen und Hypothesen immer noch explizit unterscheiden, tun Politiker das offenbar nicht mehr. Obwohl Strauß und Rau dieselben Informationsmöglichkeiten haben, kommen sie in Abhängigkeit von ihren sich unterscheidenden Interessen zu entgegengesetzten Schlüssen bei der Bewertung der Schädlichkeit oder Unschädlichkeit von CO2.

Aber nicht nur die SPD, sondern auch die Grünen sehen, wie ihre Zwischenrufe bei der Rede des im Interesse der Atomindustrie vor dem Treibhauseffekt warnenden CSU-Abgeordneten Matthias Engelsberger zeigen, im Jahre 1988 keine Gefährdung durch einen durch eine Erhöhung der CO2-Emissionen menschengemachten Klimawandel. Erst seitdem die These von der Schädlichkeit des CO2 auch zur Verteidigung der Windindustrie angewandt wird, haben sich Grüne und SPD als Lobbyorganisationen dieser Branche eine wissenschaftliche Annahme, die seit den 50er Jahren verfügbar ist und spätestens seit den 80er Jahren von der CDU/CSU im Interesse der Kernenergie genutzt wird, zu eigen gemacht.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass der Beitrag von Freiherrn Carl Friedrich von Weizsäcker an der Etablierung der These von der Klimaschädlichkeit des CO2 im politischen Diskurs gering war.

Dokumentation

Time, 28. Mai 1956: Science: One Big Greenhouse

„Since the start of the industrial revolution, mankind has been burning fossil fuel (coal, oil, etc.) and adding its carbon to the atmosphere as carbon dioxide. In 50 years or so this process, says Director Roger Revelle of the Scripps Institution of Oceanography, may have a violent effect on the earth’s climate.”

„Dr. Revelle has not reached the stage of warning against this catastrophe, but he and other geophysicists intend to keep watching and recording. During the International Geophysical Year (1957-58), teams of scientists will take inventory of the earth’s CO2 and observe how it shifts between air and sea. They will try to find out whether the CO2 blanket has been growing thicker, and what the effect has been. When all their data have been studied, they may be able to predict whether man’s factory chimneys and auto exhausts will eventually cause salt water to flow in the streets of New York and London.”

Göttinger Manifest der Göttinger 18 von 1957

„Wir wissen, wie schwer es ist, aus diesen Tatsachen die politischen Konsequenzen zu ziehen. Uns als Nichtpolitikern wird man die Berechtigung dazu abstreiten wollen; unsere Tätigkeit, die der reinen Wissenschaft und ihrer Anwendung gilt und bei der wir viele junge Menschen unserem Gebiet zuführen, belädt uns aber mit einer Verantwortung für die möglichen Folgen dieser Tätigkeit. Deshalb können wir nicht zu allen politischen Fragen schweigen. Wir bekennen uns zur Freiheit, wie sie heute die westliche Welt gegen den Kommunismus vertritt. Wir leugnen nicht, daß die gegenseitige Angst vor den Wasserstoffbomben heute einen wesentlichen Beitrag zur Erhaltung des Friedens in der ganzen Welt und der Freiheit in einem Teil der Welt leistet. Wir halten aber diese Art, den Frieden und die Freiheit zu sichern, auf die Dauer für unzuverlässig, und wir halten die Gefahr im Falle des Versagens für tödlich. Wir fühlen keine Kompetenz, konkrete Vorschläge für die Politik der Großmächte zu machen. Für ein kleines Land wie die Bundesrepublik glauben wir, daß es sich heute noch am besten schützt und den Weltfrieden noch am ehesten fördert, wenn es ausdrücklich und freiwillig auf den Besitz von Atomwaffen jeder Art verzichtet.“

DPG: Machen Menschen das Wetter? Industrialisierung und Bevölkerungswachstum beeinflussen das Klima. Presseinformation zur 36. Physikertagung in Essen vom 27.9. bis 2.10.1971

„Der CO2-Gehalt der Atmosphäre steigt seit Beginn der Industrialisierung stetig an. Das durch den Verbrauch fossiler Brennstoffe zugeführte Kohlendioxyd bleibt aber nur etwa zur Hälfte in der Atmosphäre, während der Rest im Ozean und in der Biosphäre gespeichert wird. Die jährliche Zunahme des CO2-Gehaltes schwankt um 0.7 ppm; in den Jahren 1969-71 stieg sie auf etwa 1.3 ppm an. Der mittlere CO2-Gehalt liegt jetzt bei 322 ppm, also 11% über dem Normalwert. Hält die Zunahme des Brennstoffverbrauches an, dann erreichen wir im Jahre 2.000 einen Wert zwischen 370 und 380 ppm (1.900: 28oppm). Die Wirkung auf das Klima besteht in einer Erwärmung der Troposphäre. Die Verdoppelung des C02-Gehaltes entspricht einer Zunahme der mittleren Temperatur der Erdoberfläche um 2.2°. Die derzeitige mittlere Wachstumsrate von 0.7 ppm entspricht einer Erwärmung um 5 Milligrad pro Jahr.“

Freiherr Carl Friedrich von Weizsäcker: Langfristige Energiepolitik als Beispiel technischer Zukunftsplanung (Eindhoven 1979, S. 7-29)

„Dazu möchte ich sagen, dass ich mich mit diesem Thema erst im Lauf der letzten 10 Jahre zu beschäftigen begonnen habe, genau genommen vor 5 Jahren, als ich in die Lage kam, eine Zeitlang eine beratende Funktion zu haben bei unserem Minister für Forschung und Technologie, das heisst bei demjenigen Minister unter dem die Energiepolitik ressortiert. Da musste ich mich mit diesen Problemen abgeben und zwar unter dem heisamen Zwang, dass man sich schliesslich äussern soll für einen Minister der eine Entscheidung treffen muss; dass man also nicht in der allgemeinen Vagheit bleibt, in der man so gerne bleibt, wenn man eine Analyse macht. Sondern man muss schliesslich positive Vorschläge machen oder wenigstens verteidigen. Gleichwohl will ich heute im wesentlichen als Analytiker sprechen.“ (S. 7f.)

„Ich habe schon angedeutet, dass ich nicht etwa wegen mangelnden Vorhandenseins der fossilen Brennstoffe, sondern wegen der ökologischen Konsequenzen dafür wäre, die fossilen Brennstoffe in ihrer Verwendung drastisch einzuschränken. Hier kommt eine Überlegung hinein, die auch im Publikum schon viel besprochen worden ist, und die leider, wie so manches, eines vollen Beweises noch bedarf. So weit wir heute sehen, wächst der Kohlendioxidgehalt der Atmosphäre als Folge der Verbrennung fossiler Brennstoffe, sei es der technischen Verbrennung, sie es aber auch des blossen Abbrennens von Urwald gegenwärtig. Gemessen ist jedenfalls, dass er wächst. Die Ursachen sind das, worüber man noch etwas zweifeln mag. Zweitens, wenn man dieses Wachstum in die Zukunft extrapoliert dann muss man annehmen, dass in – sagen wir – 70 Jahren oder wie immer lang die Zeit eben sein mag, das ist nicht ganz leicht zu sagen, durch den sogenannten Treibhauseffekt, durch die Durchlässigkeit des Kohlendioxyds, für das einfallende Licht und seine Undurchlässigkeit für die ausgehende Wärmestrahlung, sich unsere Atmosphäre erwärmt; die Schätzungen die mir heute vielleicht die plausibelsten scheinen, sagen um etwa 3° durchschnittlich über die ganze Erde gemittelt. Nun wird man sagen: was sind 3°, das ist vielleicht nicht so viel. Das würde bedeuten, dass Klimaveränderungen grossenteils hierdurch hervorgebracht würden; man spricht manchmal als Schreckgespenst von einem Abschmelzen der Eiskappen, zumal der Antarktis, auch in Grönland, was eine Hebung des Meeresniveaus bis zu 15 Meter – wie gesagt wird – zur Folge haben könnte; dann gibt es wieder Leute die sagen, das dauert aber zehntausende von Jahre und das mag auch richtig sein. Ich vermag wiederum diese Frage mit meinen Kenntnissen nicht adäquat zu beantworten, aber die Grössenordnung der vermuteten Effekte ist so, dass es mir sehr viel lieber wäre, wir würden das Experiment nicht machen. Folge also, man möge doch bitte, wenn es irgend geht auf den weiteren rein energieliefernden Konsum fossiler Brennstoffe verzichten.“ (S. 22f.)

Aufruf des Arbeitskreises Energie der Deutschen Physikalischen Gesellschaft: Warnung vor einer drohenden Klimakatastrophe (Januar 1986)

„Die CO2-Klimakatastrophe ist – abgesehen vom nuklearen Holokaust – vermutlich die schlimmste Katastrophe, die die Menschheit bedroht.“

Presseinformation: Erläuterungen von Prof. Dr. K. Heinloth auf der Pressekonferenz am 22. Januar 1986

Franz-Josef Strauß in der Sendung Drei Tage vor der Wahl am 22. Januar 1987

Franz Josef Strauß: „Dann bleibt ein anderes Thema und das möchte ich mit allem Nachdruck und aller Schärfe betonen. Wer mehr Kohle verbrennen will, ist ein Verbrecher an unseren bioklimatischen Verhältnissen und an der nächsten Generation!“

Johannes Rau: „Das bestreite ich ganz energisch!“

Franz Josef Strauß: „Was Sie bestreiten oder nicht bestreiten!“

[…]

Franz Josef Strauß: „Die CO2-Emission, die zunehmend für den Menschen unschädlich ist, ruft den berühmten Treibhauseffekt hervor. Man lese doch die Studie der Gesellschaft Deutscher Physiker. Die beschwören vor diesem Verbrechen an der nächsten Generation, warnen und darum werden wir in dieser Kombination [von Kohle, Öl und Kernkraft] noch lange Zeit auskommen müssen.“

Gemeinsamer Aufruf der DPG und der DPM: Warnung vor Klimaveränderungen durch den Menschen (Physikalische Blätter 1987, Nr. 8)

„Trotzdem können wir – die Schwierigkeiten selbst kurzfristiger Wetterprognosen vor Augen – nie erwarten, bezüglich künftiger Klimaveränderungen jemals zweifelsfreie Vorhersagen zu bekommen. Gerade deshalb liegt die einzig mögliche Gewähr für eine Verhinderung oder wenigstens Einschränkung einer weltweiten Klimakatastrophe in der Reduktion aller wesentlichen Ursachen auf ein Maß, für welches nach unserem heutigen Wissen die mittlere Temperatur auf der Erde um höchstens etwa 1° C ansteigen sollte.“

Matthias Engelsberger (CSU) am 14. April 1988 im Deutschen Bundestag

„Ein Verzicht auf die Kernenergie verschlimmerte deshalb nicht nur das Waldsterben, sondern stellte eine massive zusätzliche Belastung unserer Gesundheit dar. Das gilt insbesondere dann, wenn auch noch in Belgien und Frankreich Kernkraftwerke durch Kohlekraftwerke ersetzt würden. Darüber hinaus kann gar nicht deutlich genug auf das Problem der CO2-Emissionen, von denen ich vorhin gesprochen habe, hingewiesen werden, die in die Erdatmosphäre entweichen, dort eine Abstrahlung der Erdwärme verhindern und so den ‚Treibhauseffekt‘ hervorrufen. (Frau Garbe [GRÜNE]: Energieeinsparung!) Vor diesen Gefahren haben nicht zuletzt die Deutsche Physikalische Gesellschaft und die Deutsche Meteorologische Gesellschaft wiederholt mit Nachdruck gewarnt. Meine Damen und Herren, aus Zeitgründen kann ich auf dieses CO2-Thema jetzt nicht weiter eingehen, obwohl wir bereits bei 347 ppm CO2 in der Erdatmosphäre angelangt sind. (Dr. Daniels [Regensburg] [GRÜNE]: Was hat das mit Tschernobyl zu tun? Thema verfehlt!) Das geht bereits weit über das Maß hinaus, bei dem sich in früheren Jahrtausenden Wärme- und Kälteperioden abgelöst haben. Da lagen die Werte zwischen 200 und 280 ppm.“

Freiherr Ernst Ulrich von Weizsäcker, Ehrenpräsident des Club of Rome, an mich am 25. Oktober 2021

Lieber Herr Sternke,

wie mein Bruder richtig gesagt hat, gibt es in der Wissenschaft öfter mal jahrzehntelange Kontroversen. Im Kreise um Frau Thiele wird diese Tatsache aber moralisierend entstellt und in einem Maße mit dem Namen Weizsäcker assoziiert, gegen welches eine weniger tolerante Familie längst strafrechtlich vorgegangen wäre.

Dass es einen vom Menschen seit etwa 150 Jahren stark beeinflussten Treibhauseffekt gibt, gilt heute wissenschaftlich als bewiesen. Der neueste IPCC Bericht sagt, inzwischen sei die Aussage von über 99% der wissenschaftlichen Publikationen akzeptiert.

Mein Vater hat erstaunlich früh die möglichen Gefahren durch die Verbrennung fossiler Brennstoffe ins Visier genommen. Aber Ende der 1970er Jahre, als die Kernenergie gerade ins politische Schussfeld gelangte, haben recht viele Vertreter der Deutschen Physikalischen Gesellschaft (DPG) Anstrengungen unternommen, (zur Verteidigung der Kernenergie) die übermäßige Verbrennung von Kohle öffentlich zu kritisieren. Das Waldsterben in den 1980er Jahren und die schlechte Luft im Ruhrgebiet hatten hierbei aber eine viel stärkere öffentliche Wirkung als der Treibhauseffekt. Ich vermute, dass mein Vater damals die Kernenergie noch für beherrschbar hielt, dass ihn also die Bemühungen der DPG eher gefreut als geärgert haben.

Ich kann mich eigentlich nicht an Gespräche mit meinem Vater über den Treibhauseffekt erinnern. Eher sprachen wir über die militärischen Gefahren der Kernspaltung.

Dass er noch in der Zeit des 2. Weltkrieges eine Patentierung einer Atombombenoption in Japan betrieben hat, habe ich mir immer so erklärt, dass er um jeden Preis verhindern wollte, dass das Hitlerregime die Atomwaffen in die Hand bekommt. Eine Patentierung in Deutschland wäre eine Art Selbstmord gewesen, in den USA ebenfalls, und Nicht-Patentierung einer naheliegenden und explosiven physikalischen Entdeckung wäre ebenfalls brandgefährlich gewesen. Japan hätte wohl kaum Bereitschaft gehabt, das Patent in Kriegszeiten überhaupt zu „nutzen“ oder gar Hitler zu überlassen. Jedenfalls hatte mein Vater mit großer Sicherheit keinerlei Interesse an der Verwendung seiner wohl eher zufällig gemachten Entdeckung gehabt. Er schmiedete schon 1939 Pläne, die Physiker aller Welt dazu zu bringen, sich in einer Art Geheimbund zu verpflichten, das Teufelszeug niemals dem Militär zugänglich zu machen. Natürlich eine Illusion, – die aber seinen moralischen Prioritäten entsprach.

Meine eigenen wissenschaftlichen Arbeiten haben mit dem Streit Kernenergie gegen Kohleenergie nichts zu tun. Am Wuppertal Institut habe ich mich für Energieeffizienz eingesetzt. Später im Bundestag habe ich mich für das Erneuerbare Energien Gesetz und für die ökologische Steuerreform eingesetzt. Im Buch „Faktor Vier“ zeigten mein amerikanischer Freund Amory Lovins und ich schon vor 25 Jahren, dass eine Vervierfachung der Energieproduktivität technisch möglich wäre, dass man also sowohl Atomenergie wie Kohleverbrennung abschaffen könnte; dass der „Energiebedarf“ jedoch immer wieder durch immer neue Energiefresser gesteigert wird (sowas wie Bitcoin oder Filme-Streaming) – darauf wäre ich nie gekommen. Blöd von mir.

Mit freundlichen Grüßen

Ernst Weizsäcker

Carl Friedrich Freiherr von Weizsäcker, Bundesarchiv B 422 Bild-0174 (Quelle: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Bundesarchiv_B_422_Bild-0174,_Carl_Friedrich_v._Weizsäcker.jpg)

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2 Gedanken zu “Carl Friedrich Freiherr von Weizsäcker und die Etablierung der These von der Klimaschädlichkeit des CO2 im politischen Diskurs

  1. Hanna Thiele schreibt:

    Entgegnung auf die falsche Behauptung des Prof. Ernst-Ulrich von Weizsäckers
    Siehe mein heutiges Schreiben nachfolgend:

    Lieber Dr. Sternke,
    sehr geehrter Herr Prof. von Weizsäcker,

    Sie, Herr Dr. Sternke, zitieren in Ihrem Blog Prof. Ernst-Ulrich von Weizsäcker mit dem Satz

    „Im Kreise um Frau Thiele wird diese Tatsache aber moralisierend entstellt und in einem Maße mit dem Namen Weizsäcker assoziiert, gegen welches eine weniger tolerante Familie längst strafrechtlich vorgegangen wäre.“

    Es ist sehr bedauerlich, daß Prof. von Weizsäcker die Klage scheut, denn eine öffentliche Verhandlung würde der Bewußtwerdung sicher dienen, was sich hinter dem „Klimakrieg“ verbirgt, denn die Gretas und Annalenas berufen sich mit ihren Angriffen und Anklagen ja auf deutsche Professoren.

    Prof. Dr.-Ing. Peter Puschner schrieb gestern:

    „Wer in einer Zivilisation die Energieversorgung angreift, greift die Zivilisation an.“

    Heute zitiert die FAZ den französischen Arbeitgeberpräsidenten Roux de Bézieux mit den Sätzen:

    „Frankreich wird nicht akzeptieren, daß die Atomkraft in der europäischen Taxonomie nicht als nachhaltige Energiequelle eingestuft wird. Das wäre für die französische Industrie ein Casus Belli.“

    Wenn Prof. Ernst-Ulrich von Weizsäcker nicht klagen will, dann sollte er bitte benennen, wo er bei mir „strafrechtliches Fehlverhalten“ sieht, denn andernfalls betrachte ich sein Verhalten als grundlose Verleumdung seitens der Familie Weizsäcker, für das er sich zumindest entschuldigen sollte.

    Das ganz abgesehen von den inhaltlichen Fragen zu Energie, die Sie, Dr. Sternke, an den Professor richteten, deren inhaltlicher Beantwortung ich mit Interesse entgegensehe.

    Mit freundlichen Grüßen
    Hanna Thiele

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