rbb/ARD: „Die Wahrheit über… Windkraft“ und ein paar Lügen

Unterschreiben und verbreiten Sie bitte die Petition „Retten Sie den Rotmilan und andere von der Ausrottung bedrohte Arten!“

https://www.change.org/p/f%C3%BCr-landwirtschaft-und-umwelt-mecklenburg-vorpommern-retten-sie-den-rotmilan-und-andere-von-der-ausrottung-bedrohte-arten-0dab0be9-2465-4cbe-93f0-84b5430b0d8f

In meinem Beitrag „Die ARD präsentiert von der Windindustrie begangene Rechtsverstöße als akzeptable ‚Probleme’“ habe ich darauf hingewiesen, dass die rbb/ARD-Sendung „Die Wahrheit über … Windkraft“ zur Darstellung bringt, wie die Windindustrie die körperliche Unversehrtheit von Menschen verletzt und Individuen geschützter Arten massenhaft und wahllos tötet, und dass die Sendung diese Rechtsverstöße als eine Normalität präsentiert, mit der sich die Gesellschaft zu arrangieren hätte.

Im vorliegenden Beitrag möchte ich auf einige der Unwahrheiten eingehen, die als „die Wahrheit über … Windkraft“ ausgegeben werden. Ich beschränke mich dabei auf die Verniedlichung der Verstöße gegen den Artenschutz. Ein Schema (vgl. Abb.) soll gemäß der Absicht der Autoren der Sendung verdeutlichen, dass an Windkraftanlagen viel weniger Vögel umkommen als durch andere zivilisationsbedingte Todesursachen. Dabei wird vollkommen davon abstrahiert, dass durch die verschiedenen Todesarten jeweils andere Vogelarten betroffen sind und dass diese Milchmädchenrechnung für die im Film behandelten Vogelarten irrelevant ist. Welche Katze hat wohl schon eine Großtrappe oder einen Seeadler gerissen?

Der Verlust von 100.000 Vögeln an Windkraftanlagen wird vom rbb für so gering veranschlagt, dass man ihn mit einer Lupe suchen muss. Bedenkt man jedoch, wie niedrig die Bestände der betroffenen geschützten Arten sind, stellt sich der Sachverhalt anders dar. So gibt es laut NABU in Deutschland nur noch 100 Brutpaare des Schreiadlers, davon drei Viertel in Mecklenburg-Vorpommern und ein Viertel in Brandenburg, Ländern, die vom Windkraftausbau stark betroffen sind. Um bei den Verlusten eine Größenordnung zu erreichen, die der öffentlich-rechtliche Sender für beachtenswert halten wollte, müssten alle bedrohten Greifvogelarten vollständig ausgerottet werden.

Die Gutacherin der Windkraftbranche Dr. Bettina Wilkening darf unwidersprochen vortragen, dass die Seeadlerbestände sich unter den Bedingungen des massiven Windkraftausbaus besonders gut entwickelt haben. Das wird dann auch gleich von der Sprecherin verallgemeinert, die die Behauptung vorträgt, dass die Statistik die Auffassung der Windkraftbetreiber bestätige. Dabei wurde eben erst herausgestellt, dass der Rotmilanbestand im Nordosten aufgrund des massiven Windkraftausbaus abgenommen hat.

Bei der Vorstellung der Schlagopferdatei der Staatlichen Vogelschutzwarte Brandenburg stellt die Sendung nicht heraus, dass es sich bei den registrierten Schlagopfern nur um Zufallsfunde handelt, dass ein systematisches Monitoring fehlt und dass wir keine Vorstellung vom Ausmaß der tatsächlichen Verluste haben. Damit wird auch die Zahl 10.000 in dem erwähnten Schema (vgl. Abb.) fraglich. Wer weiß, wie viele Vögel, die sich erschöpft vom langen Flug der Küste nähern, unter den off-shore-Anlagen ins Meer fallen?

Dass es keine genaue Erfassung der Schlagopfer gibt, macht Ilona Marenbach, Abteilungsleiterin Wissenschaft beim rbb, in Bezug auf Fledermäuse gegenüber Rainer Ebeling geltend, der die Verniedlichung der Tierverluste seinerseits kritisiert hatte. Sie schreibt ihm am 1. Oktober: „Dass es eine valide Studie zu 250.000 getöteten Fledermäusen gibt, wird von den uns befragten Experten in Zweifel gezogen. Genaue Erhebungen haben bisher nicht stattgefunden. Es gibt nur Schätzungen. Dass die Zahl hoch ist, bleibt jedoch unstrittig. Dass dieses Feld sehr kompliziert ist, weil die meisten getöteten Tiere eher von Beutegreifern als von Umweltschützern gefunden werden, wurde in dem Film ausdrücklich erwähnt.“

Auch Frau Marenbach hält es mit der Wahrheit nicht so genau, denn die von Rainer Ebeling erwähnte Studie des Teams um Christian Voigt vom Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung (IZW) in Berlin „Wildlife and renewable energy: German politics cross migratory bats“, welche die Fledermausverluste an Windkraftanlagen auf 250.000 schätzt, wurde von einem großen Teil der deutschen Presse besprochen und im „European Journal of Wildlife Research“ veröffentlicht.

Mit der Verschleierung und Relativierung der dramatischen Verluste von Wildvögeln und Fledermäusen an Windkraftanlagen sekundiert „Die Wahrheit über … Windkraft“ Bundesminister Altmaier, der mit seiner am selben Tag veröffentlichten „Aufgabenliste zur Schaffung von Akzeptanz und Rechtssicherheit für die Windenergie an Land“ den BWE-Aktionsplan umzusetzen bestrebt ist. In der Aufgabenliste finden sich folgende Aufgaben für das Bundesumweltministerium:

  • Aufnahme eines weiteren Ausnahmegrundes beim Artenschutz für den Ausbau von erneuerbaren Energien in § 45 Abs. 7 Nr. 4BNatSchG
  • Sicherstellung einer einheitlichen Anwendung von Naturschutzrecht durch eine Technischen Anleitung zum Artenschutz (TA Artenschutz), Verankerung des Populationsansatzes
  • Weiterentwicklung des BNatSchG mit dem Ziel, Maßnahmen zum Klimaschutz von den Ausgleichpflichten vollständig auszunehmen

Es ist offenbar, dass die Journalisten des rbb den Glauben an die Demokratie verloren haben und sich den Umbau derselben in eine Technokratie zur Aufgabe erwählt haben. Ehemals zentrale Schutzgüter wie die Gesundheit der Bürger, der Fortbestand der geschützten Arten und Rechtstaatlichkeit werden ebenso bereitwillig aufgeopfert wie eine wahrheitsgemäße Berichterstattung.

Nehmen Sie bitte Kontakt zu Ihren Bundestagsabgordneten auf und fordern Sie sie auf, den von Peter Altmaier vorbereiteten Gesetzesnovellen zur weiteren Beseitigung des Artenschutzes nicht zuzustimmen!

Unterschreiben und verbreiten Sie bitte die Petition „Retten Sie den Rotmilan und andere von der Ausrottung bedrohte Arten!“

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Die Wahrheit über Windkraft (screenshot)

Unterschreiben und verbreiten Sie bitte die Petition „Retten Sie den Rotmilan und andere von der Ausrottung bedrohte Arten!“

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Ein Gedanke zu “rbb/ARD: „Die Wahrheit über… Windkraft“ und ein paar Lügen

  1. Die in der Sendung veröffentlichte Grafik ist nicht nur falsch, sondern auch irreführend.
    Windwahn hatte schon 2012, bevor wir 2017 gehacked wurden, unter http://www.windwahn.de einen Artikel unter Bezugnahme auf eine Untersuchung der spanischem Ornithologischen Gesellschaft veröffentlicht mit einer Hochrechnung der Ergebnisse für Deutschland.
    Demnach sterben im gesamtdeutschen Wind“park“ ca. 13 Mio. – 40 Mio. Vögel und Fledermäuse im Jahr. Eine Größenordnung, die weder zu verharmlosen noch zu verniedlichen ist. (nachzulesen unter https://www.windwahn.com/2019/10/23/millionenfacher-tod-an-windkraftwerken-zur-erinnerung/)
    Das Schlimme an der im Film gezeigten Grafik (siehe oben im Artikel) ist, dass hier Äpfel mit Birnen verglichen werden. 100.000 Vögel an 30.000 WEA (Verhältnis 3,3:1) stehen 70.000.000 Vögel an 50.000.000 Pkw und Lkw (Verhältnis 1,4:1) oder 115.000.000 Vögel an (konservativ geschätzt) 1.500.000.000 Fensterscheiben (Verhältnis 0,08:1) gegenüber.
    Auch sollte man der Ehrlichkeit halber erwähnen, dass gerade die sogenannten wertgebenden Arten wie Rotmilan, Schwarzstorch, Korn-, Rohr- und Wiesenweihe, Seeadler, Storch usw. eben nicht mit Fensterscheiben kollidieren oder von Katzen gefangen werden.

    Der nächste wirklich gravierende Fehler war, dass Frau Dr. Bettina Wilkening, eine Mitarbeiterin der ENERTRAG AG, also einer Windindustriefirma, als Gutachterin bezeichnet wird. Da ich selbst Gutachter (im Kfz-Bereich) bin, weiß ich um die Definition des Begriffs.Demnach ist ein Sachverständiger bzw. Gutachter neutral und keiner Seite verpflichtet. Frau Wilkening bekommt ihr Gehalt aber von der ENERTRAG AG und ist allein deswegen schon dieser Seite verpflichtet. Der Aussagegehalt dieser „Gutachterin“ ist also gleich NULL.

    Alles in Allem ist es schon erstaunlich, mit welcher Freigiebigkeit unsere Rundfunkgebühren für solche Produktionen verschwendet werden. Da verwundert es nicht, wenn Herr Söder aus Bayern heute in den Nachrichten schon mal höhere Rundfunkgebühren fordert. Dann können noch mehr dieser Lobbyberichte produziert werden.

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